14.6.
Our synagogue is different from those in Europe: it’s completely open. You enter through a glass door—no bulletproof glass, no police officers, no security at all, and the prayer hall has a huge window front facing the desert. I sit right by the windows, and when we sing Psalm 29 —, with the line kol adonaj yachil midbar, "the voice of the Lord makes the desert tremble", I look straight down into the desert and feel its vibirations. The yellow sand is sparsely vegetated; acacia trees grow there, along with palms, olive, and fig trees—made possible by land design, irrigation ditches, small earthen embankments called liman, flat terraces, and the agaim maim also mentioned in the psalm, reservoirs where water from the spring rains often remains for weeks, allowing trees to grow. The desert is a place where humans can create life. Or perish. Much is in our hands.
When I sit in front of the glass wall on Shabbat and stare out at the sun-drenched desert, I think of the past week. It was packed with appointments and work, as befits a retiree. I prepared a book for going into print and wrote an essay for the Jewish News Syndicate, a US website. And I’ve written a post for this blog almost every day—why? Why this blog at all? It was, of course, a woman’s idea, my wife’s idea, to be precise, who said to me one morning at breakfast: “Now that you no longer fly over to your European friends and readers and they, too, can't come that often because of the endless war and and ELAL's high ticket prices, try to stay in touch with them online."
Unsere Synagoge unterscheidet sich von denen in Europa: Sie ist völlig offen. Man betritt sie durch eine Glastür – kein kugelsicheres Glas, keine Polizisten, äberhaupt keine Sicherheitsvorkehrungen – und der Gebetsraum hat eine riesige Fensterfront zur Wüste. Ich sitze direkt an diesem Fenster, und wenn wir Psalm 29 singen – mit der Zeile kol adonaj yachil midbar, „Die Stimme des Herrn lässt die Wüste erbeben“ –, blicke ich direkt in die Wüste hinunter und spüre ihre Schwingungen. Der gelbe Sand ist spärlich bewachsen; Akazien wachsen dort, neben Palmen, Oliven- und Feigenbäumen – ermöglicht durch Bodengestaltung, Bewässerungsgräben, kleine Erdwälle, genannt liman, flache Terrassen und die im Psalm ebenfalls erwähnten agaim maim, Wasserreservoirs, in denen das Wasser der Frühlingsregen oft wochenlang steht und so das Wachstum der Bäume ermöglicht. Die Wüste ist ein Ort, an dem Menschen Leben erschaffen können. Oder zugrunde gehen. Vieles liegt in unserer Hand.
Wenn ich am Schabbat vor der Glaswand sitze und auf die sonnenbeschienene Wüste hinausblicke, denke ich an die vergangene Woche. Sie war vollgepackt mit Terminen und Arbeit, wie es sich für einen Pensionär gehört. Ich habe ein Buch für den Druck vorbereitet und einen Essay für das Jewish News Syndicate, eine US-amerikanische Website, geschrieben. Und ich habe fast täglich einen Beitrag für diesen Blog verfasst – warum? Warum überhaupt dieser Blog? Es war natürlich die Idee einer Frau, genauer gesagt meiner Frau, die eines Morgens beim Frühstück zu mir sagte: „Da du nun nicht mehr zu deinen europäischen Freunden und Lesern fliegst und auch sie wegen des stäbdigen Krieges und der hohen Ticketpreise der ELAL nicht mehr so oft kommen können, versuche, online mit ihnen in Kontakt zu bleiben.“